Warum Katzenschutz?

Warum wir Katzen helfen

Gesundheitliche Situation der Streunerkatzen

Von Dr. Rolf Brahm, ehemaliger stellv. Vorsitzender des DKSV

Freilebende herrenlose Katzen galt und gilt die besondere Fürsorge durch den Dortmunder Katzenschutzverein e.V. (DKSV). In erster Linie sind es Tiere, die wild bzw. freilebend geboren wurden und wegen fehlender Kontakte in der Prägungs- und Sozialisierungsphase zwar in der Nähe von Menschen leben, aber ihm äußerst scheu und zurückhaltend gegenüberstehen. Leider müssen wir zu den Streunerkatzen auch die rechnen, die von Menschen ausgesetzt und vergessen wurden. Viele haben schlimme Erfahrungen gesammelt und werden deshalb sehr skeptisch und zurückhaltend sein. Beide Gruppen lassen sich an ihrem Verhalten fast immer unterscheiden. Die ausgesetzte Hauskatze ist in den meisten Fällen eher bereit, es mit dem Menschen „noch einmal zu versuchen“. Demgegenüber kann man die Katzen, die zwar handzahm sind, aber das freiere unabhängigere Leben in der Nähe der Menschen bevorzugen, im engeren Sinn eigentlich als Besitzerkatzen einstufen.

Eine gleichmäßige Pflege kann nicht durchgeführt werden – und doch haben einige von ihnen Nischen und Reviere gesichert, die sie zum Teil gegen ihre Artgenossen verteidigen müssen. Deshalb kommt einer Geburtenregelung und somit den Kastrationen der freilebenden Katzen eine große Bedeutung zu, damit denen, die sich nie an die absolute Nähe des Menschen als Hauskatze gewöhnen können, draußen der Lebensraum erhalten bleibt.

Die Unnahbarkeit der typischen Streunerkatzen bringt Probleme in ihrer medizinischen Versorgung mit sich. Schon eine einfache tierärztliche Untersuchung kann aufgrund der panischen Angst dieser Tiere schwierig sein. Äußerst wehrhaft können sie sich dem Zugriff entziehen. Vorsicht ist auch bei allen Helfern geboten.  Besondere Schutzmaßnahmen sind in der Regel ebenso erforderlich, wie eine Ruhigstellung der Katzen durch Betäubungsmittel, um teilweise einfache tiermedizinische Untersuchungen und Eingriffe vorzunehmen. Die für eine Kastration ohnehin erforderliche Narkose wird für einen allgemeine tierärztliche Untersuchung genutzt. Vorbeugende Maßnahmen werden durchgeführt, eine Impfung beispielsweise, wenn es sich aus der weiteren Haltung als sinnvoll und notwendig erweist. Dabei wird zu berücksichtigen sein, daß eine „termingerechte“ Nachimpfung häufig unterbleiben muß. Auch eine Behandlung auf Endo- und Ektoparasiten und die Tätowierung* gehören unter anderem zum Vorsorgeprogramm bei diesen Katzen. (*Anmerkung: Seit Jan. 2016 ist bei diesen Katzen das Chippen obligatorisch.)

„Krankfeiern“ ist in der „freien Wildbahn“ nicht möglich, vielleicht noch das Verkriechen in der Hoffnung auf schnelle Besserung. Deshalb wundert es nicht, daß Tierärzten vor allem chronisch kranke Streunerkatzen vorgestellt werden, Folgen von Unterernährung, parasitären Erkrankungen wie Wurm-, Milben-, Flohbefall etc., Infektionskrankheiten wie Leukose, FIV, FIP, Katzenschnupfen oder auch Mykosen, Verletzungen und Unfallschäden sind am häufigsten festzustellen. Vielen Katzen kann durch geeignete Behandlungsmaßnahmen geholfen werden, aber auch Entscheidungen zur Einschläferung müssen unter Umständen getroffen werden, wenn Siechtum oder Qualen beendet werden müssen.

Keineswegs ist eine Euthanasie jedoch das Mittel der Wahl für die „Sanierung“ von Wohn- und Stadtgebieten bei vermeintlicher Überpopulation von Katzen. Hier hat die Aufklärung durch Katzenschützer zu einem Umdenken auch bei Behörden, Institutionen und Verwaltungen geführt. Aufklärung, vorbeugende Maßnahmen, Erfahrungen im Umgang und mit der Versorgung von Streunerkatzen, dies alles kann auf Dauer auch weiterhin ihre gesundheitliche Situation verbessern.